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Jodler in der Zerreissprobe

Der Dokumentarfilm Die Wiesenberger gewann den Publikumspreis bei den Solothurner Filmtagen [1]. Der Jodlerklub Wiesenberg ist damit schon wieder in den Medien. Club-Präsident Thomas Gisler erklärt, wie sie mit dem Erfolg umgehen.

Grosse Veränderungen wird es für die zwanzig Jodler und die Dirigentin von der Bergkapelle Wirzweli auch nach dem erfolgreichen Dokumentarfilm Die Wiesenberger [2] nicht geben. Das erklärt Club-Präsident Thomas Gisler: «Wenn der Rummel wieder losgeht und es uns zuviel wird, haben wir es selber in der Hand, nein zu sagen. Es war immer schon so, dass wir selber entschieden haben, wieweit wir gehen wollen.» Konkret heisst das etwa, das basisdemokratisch abgestimmt wird – «zwei Drittel müssen dafür sein, sonst lassen wirs sein». Ihr Konzert-Kontingent haben die Jodler auf 26 Auftritte im Jahr festgelegt, lukrativere Angebot hin oder her. Auch den neuen Herausforderungen würden sie sich locker stellen. «Wir haben schon manchen Sturm überstanden», meint Gisler. Es gilt dabei, sich treu zu bleiben. «Wenn wir uns zu stark verändern, verlieren wir unsere Identität.»

Im November kommt wieder etwas auf sie zu, wenn sie ihre dritte CD veröffentlichen, darauf auch «Blueme», eingesungen zusammen mit dem Schweizer Altrocker Polo Hofer [3]. Das mache ihnen keine Angst vor neuem Rummel: «Das ist ja unser Ziel, eine gute CD zu machen und Freude an ihr zu haben.»

Der Film Die Wiesenberger zeichnet die Erfolge des Jodlerclub Wiesenberg nach: Mit «Ewigi Liäbi» stürmen sie in die Hitparade. Sie singen mit «Das Feyr vo dr Sehnsucht» (mit Francine Jordi [4]) bei den «Grössten Schweizer Hits» – und sie können sich vor Anfragen in der Folge kaum retten. Eine an sich beneidenswerte Lage, welche die Jodler in die Krise stürzt.

Zwei Jahre lang haben die Regisseure Bernard Weber und Martin Schilt die Innerschweizer begleitet. Der Film richtet seinen Fokus auf das Hadern der Hobby-Jodler mit den Anforderungen des «Showbusiness». Wir erleben die Jodler im Alltag als Handwerker und Bauern, beim gemeinsamen wöchentlichen Proben in der Bergkapelle – aber eben auch als plötzliche «Stars». Sie werden Teil der Welt, die sie bisher nur aus dem Fernsehen kannten. Die Wiesenberger werden auch als offizielle Schweiz-Vertreter an die Weltausstellung in Schanghai eingeladen. Eine eigentliche Zerreissprobe für die Jodler.