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Elf Musik-Blogs aus Angola

Niemand speist so viele Blogs mit Musik aus Angola wie António Fernandes alias O Toke É Esse. Weil er damals bei einem Studiumsaufenthalt in Portugal die Musik seiner Heimat vermisst hatte, wollte er danach die Diaspora mit der Musik aus Angola über das Internet versorgen. Seitdem hat Toke über einhundert Musik-Blogs erstellt. Wer sich mit der Musik aus Angola nicht auskennt wird sich bei der Vielfalt an Blogs kaum zurechtfinden. Deshalb hat uns Toke nun eine Einführung in sein digitales Blog-Archiv gegeben.

Toke: «Zuerst habe ich begonnen traditionelle Folk-Musik, der ländlichen Bevölkerung online zu stellen. Dann habe ich mich der urbanen Musik gewidmet: der Musik der Revolutionsjahre von 1974/75 und der Musik der Jahre nach der Unabhängigkeit. Heute poste ich vor allem Rock und Kuduro aus Angola.»

Das Blogarchiv von O Toke É Esse ist gigantisch. Wenn er heute im Internet nach Musik aus Angola sucht, muss er nicht mehr stundenlang suchen. Das war vor gut zehn Jahren anders.

Toke: «Es war nur Musik aus Angola zu finden, die von Portugiesen nach der Unabhängigkeit Angolas, mit nach Portugal genommen wurde. Einige der 7-Inch Singles wurden am Computer digitalisiert und ins Internet gestellt. Leider geschah das oft sehr unordentlich und es haben sich jede Menge Schreibfehler bei Song- und Künstlernamen eingeschlichen.»

Angolanisches Blog-Archiv

Toke’s Blog-Seiten sollen Wegweiser sein und Musikinteressierten aus Angola Orientierung liefern. Beinahe für jeden denkbaren Zeitraum und jedes Genre in Angola hat er einen Blog eingerichtet: Traditionelle Musik und Semba landen auf milongoyakissange.podomatic.com [1], urbane Musik aus der Kolonialzeit auf muximangola.podomatic.com [2], die Musik der Revolutionsjahre auf trincheirafirme.podomatic.com [3]. Die Popmusik der Jahre nach der Unabhängigkeit findet sich auf radiosambilas.podomatic.com [4], angolanische Disco Sounds aus den 80ern gibt es auf animadao.podomatic.com [5]. Hier ist für jeden Geschmack etwas zu finden. Sogar an die Kleinen ist gedacht: Auf thiagobaby.podomatic.com [6] versammelt Toke angolanische Kinderlieder. Alles was sich nicht eindeutig zuordnen lässt, sowie Diverses landet auf menhamazumbi.podomatic.com [7].

Hardrock in Angola

Eigentlich fühlt sich Toke im Rock zuhause. Er spielt selbst in drei angolanischen Bands Schlagzeug. Darunter auch Neblina, Angolas erste Hard-Rock Gruppe. Auf dem dazugehörigen Blog neblinametal.podomatic.com postet er Songs von sich, aber auch Songs von anderen angolanischen Rockbands. Die Musik der Entstehungsjahre von Rock in Angola ist auf rockngola.podomatic.com [8] und triptosamboto.podomatic.com [9] dokumentiert.

Toke ist aber nicht nur Rocker, sondern auch bemüht aktuelle Trends aus Angola abzubilden. So finden sich auf kuduromatic.podomatic.com [10] die neusten Entwicklungen des elektronischen Exportschlagers Kuduro [11]. Die Klassiker des Genres sind auf kuduro.podomatic.com [12] oder kudurofiles.podomatic.com versammelt und langsamer Kuduro und Songs mit Dubstep-Feel stehen auf kubass.podomatic.com [13] zum Download bereit. Seine Posts sind eine gute Mischung aus kommerziell erfolgreichem Kuduro und Underground-Produktionen aus dem Ghetto, die Toke oft spannender findet.

Toke: «Kuduro ist die letzte Punkrockmusik der Erde. Wie im Punk reichen minimale Musikkenntnisse für einen Hit. Es gibt keine Regeln zu beachten. Die Songs werden ohne Soundingenieur meist in kleinen Home Studios im Ghetto produziert. Was am Ende dabei herauskommt, klingt entweder völlig daneben oder einfach nur genial.»

Was Toke hier als daneben bezeichnet haben Produzenten in Europa längst mit aufwendiger Studiotechnik für internationale Hörgewohnheiten nachgebaut. Toke bekommt seitdem auch immer öfter Post von weit her. Zuletzt hatte sich ein Label aus Japan bei ihm gemeldet. Er sollte eine Compilation mit Kuduro erstellen. Toke konnte die Künstler in Angola aber nicht davon überzeugen. Seit dem Erfolg ausländischer Bands sind sie skeptisch geworden, was die Internationalisierung von Kuduro betrifft.

Toke: «Die Leute hassen Buraka Som Sistema hier. Sie sagen, das seien Diebe die sich am Sound der Straße bereichert hätten. Ich sehe das anders: Ohne Buraka Som Sistema würde es den Hype um Kuduro erst gar nicht geben. Und hier in Angola hat Kuduro sowieso ein Image-Problem. Denn viele Radios spielen keine Musik aus dem Ghetto.»

Verbeugungen aus der Diaspora

Toke selbst möchte nicht mit dem internationalen Rush auf Kuduro in Verbindung gebracht werden. Er ist bescheiden, möchte nur mit Musikinteressierten sein Wissen über die angolanische Musik teilen. Und auch Studenten in der Diaspora, denen es so geht wie einst ihm, eine Möglichkeit geben, sich auch fernab von der Heimat musikalisch geborgen zu fühlen. Für diese Arbeit bekommt er viel Zuspruch.

Toke: «Neulich hat sich ein älterer Angolaner bei mir gemeldet, der war völlig aus dem Häuschen, die Musik auf meinem Blog zu hören, die er das letzte Mal vor 40 Jahren gehört hatte. Er hat sich 1000 Mal bedankt. ‹Oh, mit dieser Musik fühle ich mich wie zuhause… Ich liebe deine Blogs›.»