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Liebeserklärung an den Ländler

Ruedi Häusermann hat einen riskanten Unterhaltungsabend kreiert.

Jan Ratschko (Bassklarinette), Ruedi Häusermann (Klarinette) und Herwig Ursin (Akkordeon)

Ruedi Häusermann im Podcast

Der Musiker und Komponist Ruedi Häusermann arbeitet normalerweise an den grossen Schauspielhäusern des deutschsprachigen Raums. Jedes zweite Jahr widmet er sich aber «kleinen und feinen Projekten», wie er uns im Gespräch verrät. Die Ländlergruppe Kapelle Eidgenössisch Moos [1] liegt ihm seit vielen Jahren am Herzen. Mit dieser Kapelle pflegt er das Liedgut der Volksmusiklegende Kasi Geisser, Rees Gwerder und anderen großartigen Ländlermusiker. Normalerweise spielt das Trio nur an den Premierefeiern von Häusermanns Theaterprojekten. Nun widmet er Eidg. Moos zum ersten Mal einen ganzen Abend oder wie er sagt «einen riskanten Unterhaltungsabend».

Ruedi Häusermann in seiner Galerie in Lenzburg

Ruedi Häusermann mag keine Fusionen, sondern sucht das Original. Sein Ziel ist, der Ländlermusik gerecht zu werden – und sich nicht lustig zu machen über sie. Dafür will und muss er gut spielen, um die Kritiker zu verblüffen und ihnen den Wind zumindest ein bisschen aus den Segeln zu nehmen. Er will die Ländlermusik nicht von rechten und konservativen Kreise vereinnahmt sehen. Er wehrt sich gegen die «Schweizpachter».

Auf Besuch bei der Probe im Theater Tuchlaube

Es geht Ruedi Häusermann darum, die Einfachheit des Ländlers zu finden. Diese Einfachheit soll mit Raffinesse und Originalität aufgezeigt werden. Letztlich sei das wie in seinen neuesten Theaterproduktionen. Er will sich nicht hinter der Avantgarde verstecken, sondern Populäres neu aufbereiten. Er will gegen nichts protestieren, sondern es geht ihm um das Verfeinern des Blickes. So entsteht ein Ländler, den man in der heutigen Medienlandschaft entweder gar nicht mehr hört – oder dann nur als kommerzialisierten volkstümlichen Schlager.

Das Stück «Kapelle Eidg. Moos» ist nicht bloss ein Konzert, sondern auch Theater, Hörspiel… und tatsächlich ein Unterhaltungsabend. Häusermann und seine Mannschaft spielen mit scheinbaren Traditionen und rütteln an sogenannt typischen Schweizer Phänomenen. So spielen sie mit dem Kantönligeist, indem sie Geografien durcheinanderbringen. Randerscheinungen werden zu Hauptsachen.

Norient besuchte die Kapelle beim Proben:

Ruedi Häusermann betreibt mit dieser Produktion keine Politik, sondern es sei eine vollkommen egoistische Sache. Er freut sich, endlich mal wieder selber auf der Bühne zu stehen. Sonst inszeniert er nur, und nennt sich selber ein «Anordnungstalent».

Das Gespräch mit Ruedi Häusermann fand im Rahmen des Norient Projekts Sonic Traces: From Switzerland [2] statt.