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Norient-Videoclip-Night am Queersicht

Der 40. Geburtstag des Hip Hops ist für Theresa Beyer von Norient Grund genug, sich durch YouTube zu wühlen und die schrillsten, witzigsten und schönsten Musikvideos von schwulen, lesbischen, transgender, bisexuellen und queeren Homies herauszupicken. Am Freitag, 8. November um 23.00 Uhr knallen sie bei der Queer-Hip-Hop-Videoclip-Night [1] im Berner Kino der Reitschule aufeinander: Clips von 1981 bis heute, Clips aus den USA, Kuba, Argentinien, Deutschland, Serbien, Israel und Angola. Mit dem Abend ist Norient zu Gast beim 17. lesbisch-schwulen Filmfestival QueerSicht [2], das am Donnerstag, 7. November, startet.

Hip Hop ist wohl eines der testosterongeladensten Musikgenres. Trotzdem haben sich seit den Anfängen queere Rapperinnen* und Rapper* ihre Räume erobert. In den letzten Jahren wurden sie vor allem in den USA immer sichtbarer und sind mittlerweile Teil der Musikindustrie. Sie können nun auch mithalten und das Kapital für aufwändigere Clip-Produktionen aufbringen. Neben dem typischen DIY-Charme queerer Musikvideos etabliert sich in den USA also immer mehr auch eine Hochglanz-Ästhetik – Angel Haze, Mykki Blanco oder Le1f sind die besten Beispiele dafür.

Ein RaBe-Info-Bericht von Radio Bern [3]

Siehe auch Norient-Artikel Bootydance mit der Königin [4]über die Bounce-Queen Big Freedia aus New Orleans.

In vielen anderen Ländern müssen queere Rapperinnen* und Rapper* aber im Untergrund bleiben – zu gefährlich wäre ein Video auf YouTube, undenkbar eine Präsenz im Musikfernsehen.

Decriminalization of homosexuality by country (Wikicommons)

Die Queer-Hip-Hop-Videoclip-Night kann also nur aus dem Sichtbaren und Zugänglichen schöpfen. Doch auch damit vermag sie zu zeigen: Queerer Hip Hop ist mehr als eine Nische, queeren Hip Hop gibt es seit Jahrzehnten und nicht nur in den USA. Und der Abend wird Spass machen: denn gerade die Clips der LGTBQ-Homies sind rauschhafte Bild- Beat- und Wortlawinen aus Ironie, Rebellion und Ideenreichtum – davon kann sich der Hetero-Mainstream gerne mal ein Scheibchen abschneiden!

Einen umfassenden Abriss des queeren Hip-Hops in den USA gibt es auf www.queermusicalheritage.us [5] (Stand: 2007). Mehr zur jüngeren Generation im Norient-Artikel von Christian Werthschulte Gayngster Rap [6].

Warnung: Die an der Videoclip-Night gezeigten Videos enthalten schnelle Schnitte und flackernde Lichter, die für Menschen mit photosensitiver Epilepsie ungeeignet sein könnten!

Neben der Geburtsstunde der queeren Videoclip-Night zeigt das QueerSicht dieses Jahr auch Musikdokumentarfilme:

Am Samstagabend (9.11., 23:00 Uhr) im Kino der Reitschule und am Mittwoch (13.11., 18:00 Uhr) im Kellerkino läuft And you Belong [7]. Der Film ist ein Portrait des Hip-Hop-Electro-Duos SCREAM CLUB [8]und ein farbenfrohes Zeitdokument aktueller Strömungen in der queeren Musik-Szene. Über vier Jahre gedreht, erzählt der Film nicht nur die Geschichte zweier charismatischer Frauen und ihrer Freundschaft, sondern er zeigt auch ein kreatives Umfeld in Berlin und reflektiert dabei Gender Roles und individuelle Kreativität jenseits des Mainstreams.

Lohnenswert ist auch der Musikfilm Turning [9], der am Samstag (9.11., 23:00 Uhr) im Kino Kunstmuseum und am Montag (11.11., 18.00 Uhr) im Kellerkino gezeigt wird:

Emotionale Musik und bewegte, bewegende Bilder: «Turning» folgt den Musiker/ innen von Antony and the Johnsons und dem Videokünstler Charles Atlas auf der gemeinsamen Welttournee. Ein Höhepunkt sind die Porträts von 13 Transfrauen, die während eines Konzerts mit Antony and the Johnsons auf der Bühne stehen: «I don’t want to be a boy. I don’t want to be a girl. I just want to be me!», sagt eines der Models selbstbewusst. Und genau darum geht es.