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Hebräisches Groove-Festival

Das erste hebräische Groove-Festival in Tel Aviv bot für 120 Schekel binnen acht Stunden vier Bands und eine Handvoll DJs - eine volle Packung, für wenig Geld. Mit dabei waren: Eyal Talmudi (Balkan Beat Box), Boom Pam, Digital Me, The Ramirez Brothers, The Apples with Yoram Arbel, Markey Funk, Soulico, Kuti, Karolina, Uzi Navon, Tree, Radio Trip, LEFT und MC Goga.

Teil 1 von 2 – Teil 1 / Teil 2 [1]

Gut zweieinhalb tausend Zuschauer fasst der Hangar 11 im Hafen von Tel Aviv, in dem das erste hebräische Groove-Festival [2] stattfindet. und die meisten von ihnen schienen bereits angekommen, als die erste Band, nach einem Warm-up von DJ Markey Funk und Left die Instrumente in Anschlag brachte. Die Ramirez Brothers [3], ein Trio aus Schlagzeug, Gitarre und Trompete, und gab den Ton vor, der die Ästhetik des ganzen Line-Ups prägte: Hochenergetische Groove-Musik mit einem Bein im Funk der 60er und 70er Jahre, so wie er seit den Poets of Rhythm in DJ-Taschen, Clubs und Festivals wieder lebendig ist. Was die Tel Aviv-Szene betrifft, die sich hier eine ganze lange Nacht feiern konnte, so steht ihr anderes Bein tief im vielstimmigen kulturellen Mix, der die Stadt – allen sozialen Schräglagen zum Trotz – auszeichnet: der israelische, sogenannte «Oriental Pop», Einflüsse aus dem Balkan, griechische, arabische, askenazische und sephardische Metren und Skalen, alles durchdrungen und zusammengehalten von den Mitteln der globalen Populärkultur: Funk, Hip-Hop, Rock und Reggae.

Die Ramirez Brothers addieren dazu zu gleichen Teilen Latin und Hendrix, und fertig war die gelungene Eröffnung. Im folgenden bewies die repräsentierte Szene, dass es sich bei ihr tatsächlich um eine aktive interagierende Szene handelt: den ganzen Abend über besuchten und featureten die Musiker einander gegenseitig. Gitarrist Uzi Ramirez (Ex Boom-Pam) zum Beispiel kam für den Auftritt von Karolina auf die Bühne zurück und wurde später von seinem Nachfolger Uri Kinrot verstärkt, am Bass erschien mit Schacham Ochana (Funk´n´Stein) gewissermassen einer der Paten des lokalen Funkwesens, und an den Bongos sass kein Geringerer als Kutiman. Dem war es 2006 gelungen, mit dem beim Kölner Label Melting Pot Music erschienen Album No Groove Where I Come From Israel auf der Landkarte der internationalen Funk-Gemeinschaft zu markieren. Kurz darauf gelang ihm mit dem ThruYou-Projekt ein wohl noch grösserer Coup. Aus diesem Grund konnte er beim Groove-Festival auf eigenen ausdrücklichen Wunsch die Rolle spielen, die ihm am liebsten ist: Der Mann im Hintergrund, der gute Vibes verströmt. Damit blieb die Bühne frei für Karolina [4], unübertrieben der Soul-Diva von Tel Aviv. Ihre Stimme ist markant (und vielleicht nicht Jedermanns Geschmack), Ausführung, Kraft und Charisma aber waren über jeden Zweifel erhaben. Die Band lieferte dafür ein Fundament aus chartstauglichem, vom Country bis Soul, French bis Oriental Pop erstaunlich weites Terrain abdeckendem Groove.

Trotz des Ilja Richter-verdächtigen Aufzugs des Moderators, trotz der offensichtlichen Verehrung für analoge Produktionen – «retro» fällt als Merkmal des Abends aus. digital_me [5] repräsentiert, wie der Name sagt, das digitale Element des Labels Audiomontage, dessen Betreiber auch das Festival ausrichteten. Nach eigenen Angaben stark von Coldcuts Beats and Pieces und ungezählten Stunden mit Konsolenspielen beeinflusst, spielt er sein Instrument, den beliebten Korg Electribe-Sequencer mit der Virtuosität eines fähigen Pianisten. Das Produkt war ein fraktaler Hip-Hop/Funk-Groove, in den er scheinbar nach Belieben feingehackte Samples streute: jamaikanische, arabische, hebräische und US-amerikanische Song- und Wortfetzen wurden kunstvoll und in Echtzeit zerlegt. Währendessen wurde in beachtlicher Geschwindigkeit die Bühne für die Landung des Mutterschiffs vorbereitet.

Teil 1 von 2 – Teil 1 / Teil 2 [1]