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Kino Next Level

Mysteriöse Gerätschaften, geologische Fundstücke, Licht, Sound und Video. Von dieser laborartigen Anordnung geht die audiovisuelle Performance Bysnthome der Künstlergruppe Transforma und Yro aus. Ihre Erkundungschoreographie ist gleichsam eine wissenschaftliche Untersuchung. Nicht nur deren Ergebnis wird sichtbar gemacht, sondern auch der Prozess.

Transformas [1] Performances erkunden das Feld zwischen wissenschaftlichem Experiment, theaterhafter Bühnenchoreographie, Sound- und Videoperformance. Dabei räumen sie dem Entstehungsprozess den gleichen Raum ein wie dem Ergebnis: Sie verpflanzen gewissermassen ihr Studiosetting auf die Bühne. Um diesen gemeinsamen Arbeitsansatz zu verfolgen, hat sich die Berliner Künstlergruppe – bestehend aus Luke Bennett, Baris Hasselbach and Simon Krahl – im Jahr 2001 zusammengefunden.

Der dreiteilige Synthome-Zyklus, eine Kooperation von Transforma mit dem französischen AV-Künstler Yro, untersucht komplexe Systeme. Asynthome behandelt die Frage der Entstehung, Csynthome wird dem Verfall gewidmet sein. In Bsynthome, der zweiten Performance, wird ein funktionierendes System bearbeitet und verändert.

Dreistufige Metamorphose

Zu Beginn der Performance wird es dunkel und das System beginnt zu arbeiten. Ein Licht kreist, zieht seinen Loop. Im zweiten Teil betreten drei Performer das System und beginnen in die Bewegungen der kinetischen Objekte einzugreifen, sie umzubauen, mit diversen Materialien zu hantieren. Am Ende ist das System grundlegend verändert, der Loop ist ein anderer geworden. Kameras halten die Vorgänge fest. Doch sie projizieren nicht einfach die Bühnenvorgänge, um diese etwa in den hinteren Reihen besser sichtbar zu machen. Transforma und Yro [2] bearbeiten die Filme in real-time: Ausschnitte werden sichtbar, Details teilweise bis zur Abstraktion vergrössert oder durch Prismen verzerrt. Zunächst herrscht zurückhaltendes Schwarz-Weiss vor, im Verlauf der Performance nimmt die Farbigkeit zu. Das Ganze erinnert an die Filme der historischen Avantgarden der 1920er-Jahre, an Man Ray [3] etwa, oder László Moholy-Nagy [4]. Diese Ästhetik wird in Bsynthome in eine gemischt analog-digitale Arbeitsweise überführt und weitergedacht.

Audiovisuelle Zwischenräume

Sound- und Bühnen-Performance verbinden sich mit in real-time produziertem Kino, kinetischen Objekten und dem Spiel von Schatten und Lichtreflexionen. Ton und Bild können auf ihre unmittelbaren Quellen zurückgeführt werden, Ursache und Effekt werden so gleichzeitig erlebbar.

Bsynthome nimmt das Publikum mit auf eine experimentelle Forschungsreise zwischen Mystik und Wissenschaft. Durch die immer anderen Konstellationen wird das Zusammenspiel von Sound, Raum, Objekten und Bewegung im Raum, Licht und Video neu definiert. Das mediale Setting und seine Bespielung zeigen, worum es geht: Kino next level als dynamisches Dispositiv.

Transforma (Foto: Gwendal Le Flem)