Der südafrikanische Jazzmusik-Pionier Mac McKenzie tritt in Basel auf. Am 5. und 6. Oktober mit den Goema Captains, und am 13. Oktober mit der Goema Symphony No. 1.
Goema steht für den toxisch-ansteckenden Rhythmus des Kapstädter Karnevals der auf die Sklaven der Hafenstadt am Kap der Guten Hoffnung zurückgeht und Elemente aus Afrika, Südost-Asien und Amerika in sich vereint. Der Sound hat heute seine Wurzeln in den windigen Cape Flats, wo sich Schuhschachtel-Häuschen aneinanderreihen, seit die Apartheid-Regierung ab den 1950er einen Grossteil der Bevölkerung Kapstadts hierher zwangsumsiedelte. Hier wohnt auch Mac McKenzie der als Bassist der Genuines südafrikanische Rockgeschichte schrieb, dann auf die Gitarre umsattelte, um mit seinen Goema Captains of Cape Town eine der originellsten Bands ins Leben zu rufen, die die südafrikanische Jazzszene zu bieten hat.
Sklaven gibt es keine mehr, doch der Karneval ist auch heute noch ganz klar Sache der Arbeiterklasse. Auch während der Apartheid haben sie jeweils zum Neujahr mit ihrem Fest der Sinne die Innenstadt zurückerobert, von wo sie vertrieben worden waren. Ihr Karneval bescherte nicht nur Lebensfreude sondern verlieh auch Selbstbewusstsein. Wie wichtig Karneval ist, zeigt der Film „The Silver Fez“ (2009), der als Dokudrama die Kultur des Karnevals und seine wichtige Funktion für die Mischbevölkerung Kapstadts aufzeigt.
Wie schon sein Vater engagiert sich Mac McKenzie in einer Karneval-Band, die ihm als Quelle der Inspiration dient. Sein Anliegen ist, die Goema-Tradition vom Stigma der Benachteiligung zu befreien, indem er sie weiterentwickelt – sei es zu Rock in den 80er Jahren, dann zu Jazz (“Penthouse Goema”) in den 90ern, oder neuerdings zu einer Symphonie. 2005 fing bei Mac die Vision zu reifen an, dass Goema die Konzertsäle der Philharmonien erobern müsse.
Im April 2006 erprobte er die Ideen erstmals mit seinen Goema Captains im Basler bird’s eye jazz club. Da er keine Noten vorlegen konnte, reichte es der Band nur die zwanzigminütige Ouvertüre „The Journey“ zu proben. Fürs restliche Programm musst sie aber auf ältere Kompositionen zurückgreifen. Zurück in Kapstadt begann Mac, der nie eine formale Musikausbildung genossen hat, seine Ideen mit Hilfe von jungen Musikern auf Papier zu bringen. Doch die Arbeit ging nur mühsam voran und so brachte sich Mac selber das Musikschreiben bei. Im Hinterhof seines Elternhauses gründete er den Cape Town Composers’ Workshop, wo er heute seine Ideen umsetzt und gleichzeitig jungen Musikern aus dem Township eine Plattform gibt.
2009 konnte Mac seine Symphonie vom Cape Town Philharmonic Orchestra zur Probe spielen lassen. Es zeigte sich, dass selbst die jetzt 30 Minuten Musik, die in dreijähriger Arbeit entstanden waren, noch weiterentwickelt werden musste. Kurzentschlossen schrieb McKenzie während eines dreimonatigen Aufenthalts in Basel im selben Jahr 19 kammermusikalische Kompositionen auf der Basis dieser Symphonie, die sich mit weniger Aufwand zur Aufführung bringen und sich auch für Jazzmusiker adaptieren liessen. Einen ersten Eindruck davon gab es in Basels Cargo Bar zu hören.
2010 hiess es dann endlich – Mac McKenzie is back! Am 28. August war es soweit und die Goema Symphony No. 1 wurde in Kapstadt vor einem begeisterten Publikum aufgeführt.
Mac McKenzie ist auch in der Schweiz im bird’s eye jazz club in Basel zu hören. Am 5. und 6. Oktober tritt er mit den Goema Captains auf und am 13. Oktober mit der Goema Symphony No. 1 für ein erweitertes Jazz Quartett mit Streichern.
Info und Buchung: www.africanmusic.unibas.ch.






