Der schweizerisch-italienische Musiker und Komponist Paed Conca und der libanesische Künstler Raed Yassin arbeiten seit 2005 im festen Duo Praed. Die beiden haben jetzt ihre zweite CD «Made in Japan» herausgebracht und sind die nächsten Wochen auf Schweizer Tournee.
Praed, das Duo des Berners Paed Conca und des Libanesen Raed Yassin, lockt den neugierigen Hörer auf ein wirres Medien-Karussell. Popklänge treffen auf ihrem zweiten Album „Made in Japan“ (Annihaya) auf experimentelle Spieltechniken. Akustische Angebote von gestern und heute werden feilgeboten: Raed Yassin singt zu einem Sample des ägyptischen Popstars Mahmoud El Husseini, er mimt den Alleinunterhalter auf Keyboard und Synthesizer, während im Badezimmer ein Rohr bricht. Japanische Stimmen, Schreie, Gewehrsalven und Dub-Grooves werden dazu eingeflochten. Die Klänge und Rhythmen kreisen endlos, wie das Karussell auf dem Jahrmarkt – und nutzen auch dessen nostalgisch verstaubtes Klangbild: Kitschige Billigstsounds und Stampftrommeln drehen in endlosen Schleifen, kommen von nirgends und zielen nirgendwo hin. Das alles wird durch den Fleischwolf gedreht und mit Techniken der experimentellen Musik verarbeitet: mit präpariertem Kontrabaß und E-Bass, variantenreichen Spieltechniken auf der Klarinette, und mit Scratches auf Plattenspieler und Kassettengerät. – Ein Kommentar über die Zufälligkeit, Gegensätzlichkeit, Ziellosigkeit des akustischen Materials, von dem wir umgeben sind. Ein Plädoyer für eine grenzenlose, verrückte und offene Welt.
Podcast A: About Praed
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Podcast B: Identity and Politics
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Podcast C: «Rocket»
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Interview mit Paed Conca
Paed Conca, Sie arbeiten mit ihren Projekten mehr im Ausland als in der Schweiz. Wo waren Sie in letzter Zeit unterwegs?
Ich spiele in der international gut vernetzten Szene der Frei Improvisierten Musik, komponiere aber auch, von zeitgenössisch bis kammermusikalisch. Die letzten Monate bin ich in Deutschland, Italien, Belgien, Holland, Schweden und Norwegen aufgetreten, und immer wieder in Japan und im Libanon.
Sie leben heute die halbe Zeit in Beirut. Wie ist es dazu gekommen?
Die Schweiz ist zu klein, wenn Du von der frei improvisierten oder experimentellen Musik leben willst. Ich will mich aber auch nicht auf die Schweiz eingrenzen, weil ich neugierig bin. In Beirut arbeitet die Musikszene viel stärker mit anderen Kunstsparten zusammen: mit Schauspielern, Künstlern, Graphikern. Ich finde das extrem bereichernd. Seit fünf Jahren bilde ich mit Raed Yassin ein Duo: Mir gefallen seine Experimente mit der lokalen Populärkultur. Einen solch unverkrampften Umgang mit der Popkultur findest du bei europäischen Musikern und Hörern von experimenteller Musik noch immer selten.
Das Duo Praed schafft auf seiner neuen CD «Made in Japan» wahrlich eigenwillige musikalische Welten. Was hören wir da?
Wir ziehen sehr vieles durch den Fleischwolf: Tonspuren alter ägyptischer und japanischer Filme, Reden arabischer Diktatoren, Propaganda-Musik, Feldaufnahmen aus dem libanesischen Bürgerkrieg, und vieles mehr. Neu verarbeiten wir auch Rhythmen, Sounds und Stimmen aus der arabischen Populärmusik. Besonders die Dabké-Hochzeitsmusiker in Syrien und Libanon und die Chaabi-Strassenstars in Ägypten haben es uns angetan. Wir verarbeiten ihre trashigen bis kitschigen Sounds und Ornamente mit unserem experimentellen Ansatz – mit Liebe für kleinste Details. Ich präpariere meinen E-Bass mit unterschiedlichsten Materialien und spiele die Klarinette mit speziellen Techniken. Raed Yassin mimt auf dem Synthesizer den Alleinunterhalter, oder er manipuliert die Popsounds auf dem Plattenspieler oder mit dem Kassettengerät. Das ist dann experimentelle Musik, die wie Popmusik klingt. Man kann heute sogar Tanzen zu unserer Musik. Sie bleibt aber verrückt und grenzenlos, darum fühle ich mich so wohl darin.
All diese akustischen Materialien, die Sie verarbeiten: Stehen die auch für eine politische Haltung?
Wir spielen in unserer Musik und in unseren Performances mit politischen Andeutungen. Wir manipulieren etwa die Klangästhetik verschiedenster libanesischer Parteien und setzen sie ironisch in neue Kontexte. Raed Yassin trägt auf der Bühne gerne die typische Spiegelbrille rechtsradikaler christlicher Parteiführer und spielt dazu auf dem Synthesizer die Musik der Schiiten und Sunniten. Grundsätzlich plädieren wir mit unserer Musik aber für eine Politik der Offenheit: Jeder und jede soll sich seine Welt so zusammenstellen dürfen, wie er oder sie es für richtig hält.
Wie manifestiert sich diese Haltung gegenüber der Schweiz?
Europa mit seiner Abschottung und Paranoia vor allem und jedem macht mir Angst. Ich bin ein sehr politisch denkender Mensch. Ich will mich positionieren, mal direkt, mal indirekt. In meinem Musik-Film-Mal-Projekt «Porta Chiusa» habe ich mich letztes Jahr kritisch mit der schweizerischen Ausländerpolitik auseinandersetzt. Jeder Mensch sollte dahin reisen können, wo er hin will. Raed Yassin hat einen libanesischen Pass. Als Künstler kann er so eigentlich nicht leben. Und ich schreibe ständig Einladungen und Visum-Anträge für ihn, damit sich unser Duo Praed treffen und Konzerte geben kann. In der Musik von Praed klingt das irgendwie auch mit: Aber verspielt, versteckt, und voller Spielfreude.
Konzertausschnitte aus der Berner Reitschule
Dieses Gespräch fand im Rahmen des Norient Projektes Sonic Traces: From Switzerland statt.












[...] Orchestra, Genf > Eidgenössisches Jodelfest, Interlaken > Festival Alpentöne, Altdorf > Praed, Beirut/Bern > Da Cruz, Bern > Jonas Kocher, Biel > Reverend Beat-Man, Bern > Round [...]
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