Mit seinem „Mali Twist“ gab Boubacar Traoré in den Sechzigerjahren einer ganzen Region ihr Lebensgefühl. Jetzt hat der 69-jährige Sänger eine neue CD veröffentlicht. Im März 2011 spielt er zudem mehrere Konzerte in der Schweiz.
Boubacar Traoré singt auf seiner neuen CD «Mali Denhou» mit charismatischer, warmer Stimme über sein Leben in Mali. Mit seinem langjährigen musikalischen Partner Madieye Niang (Kallebasse) und dem Mundharmonika-Spieler Vincent Buche spielt er mal entspannten Mali-Blues, mal folkloristisch schwingende Lieder. Traoré begleitet sich selber auf der Gitarre und formt mit Bass- , Haupt- und Gegenlinien komplexe rhythmische und melodische Gebilde. In seinem ständig kreisenden Spiel setzt er mit kleinsten Änderungen in Klang, Tempo und Rhythmus Akzente und zeigt sich als Meister versteckter Nuancierungen. Gefühlvoll lässt er immer mal wieder eine Saite scheppern, ohne Vorwarnung geht er vom Legato ins perkussive Spiel über. Immer aber zieht seine Musik vorwärts, als habe sie alle Zeit der Welt.

„Boubacar Traoré war der „Elvis Presley Malis“, erinnert sich ein Freund des Musikers im Dokumentarfilm „Je chanterai pour toi“ (Trigon-Film) des Genfers Jacques Sarasin. Bruchstück für Bruchstück zeichnet der Film das Leben und Schaffen des 1942 geborenen Musikers in schönen Bildern nach. Traoré war eher beeinflusst von den USA, als von den Traditionen seiner Heimat. Und doch hat er der Musik seiner US-amerikanischen Vorbilder eine eigenständige, lokale Identität gegeben: So sang er zum Beispiel in der lokalen Bambara Sprache. „Kinder des unabhängigen Mali packen wir es selber an. Auf dass alle jungen Malier aus dem Ausland heimkehren. Gemeinsam erbauen wir ein Vaterland“, singt er in einem Lied.
Im unabhängig gewordenen Mali der Sechzigerjahre war der US-amerikanische Twist Trumpf. Das zeigen die Bilder des berühmten Fotografen Malick Sidibé besonders eindrücklich: Modisch gekleidete, wild tanzende Jungs und Mädels. DJ’s, die voller Stolz ihre Lieblingsplatten präsentieren: Beatles, Rolling Stones, Otis Redding, Jimi Hendrix, Elvis Presley, Bill Haley und andere. Jeder und jede soll Traorés Stücke „Mali Twist“ und „Kayes Ba“ gekannt haben. Seiner fussballerischen Dribbelkünste wegen nannte man den Sänger und Musiker „Kar Kar“ (jemand, der zuviel dribbelt, wird „karikari“ genannt). Und weil er stets eine schwarze Lederjacke trug, war er bald einmal als „Kar Kar, le blouson noir“ weit über Bamako hinaus bekannt. 1965 verschwand Traoré spurlos von der Bildfläche – warum, weiss niemand so recht. Klar ist, Traoré heiratete und zog von der Hauptstadt Bamako zurück in seine Heimatregion Kayes, wo er als Schneider arbeitete. Nach dem Tod seiner Frau liess sich Traoré 1989 in Paris nieder, um dort auf dem Bau sein Geld zu verdienen. Nach der Arbeit war er als Gitarrist in Cafés an der Porte de la Villette und in Belleville zu hören, ehe ihn ein englischer Produzent zu einer Tournee überredete. Traoré nahm seine ersten beiden CDs „Mariama“ und „Kar Kar“ auf und feierte auf den Bühnen Europas grössere Erfolge. „Kar Kar lebt! Er ist am Leben! Der Elvis von Mali lebt!“ titelten die Zeitungen in Mali. Und Radio Mali spielte den „Mali Twist“ – sogar seine engsten Freunde hatten gedacht, dass Traoré bereits vor Jahren gestorben war.
2011 ist jetzt die neue CD «Mali Denhou“ von Boubacar Traoré erschienen. «Kar Kar» stellt seine neuen Lieder im nächsten Monat zudem in mehreren Konzerten in der Schweiz vor. Er wird es beweisen: Mit seinen 69-Jahren ist er charismatischer denn je.
Die CD
Boubacar Traoré «Mali Denhou» (Lusafrica)
Die Konzerte
Donnerstag, 10.03.2011 Kiff, Aarau
Samstag, 12.03.2011 Moods im Schiffbau, Zürich
Sonntag, 13.03.2011 Étage Club, Biel
Donnerstag, 17.03.2011 Salle Saint George, Delémont
Samstag 19.3.2011 La Ferme Asile, Sion
Film
Auszüge aus dem Film „Je chanterai pour toi“ (Trigon-Film) von Jacques Sarasin.











