- Norient - http://norient.com -

Steff La Cheffe

Sympathisch wie seine Heldin: Der Porträtfilm Steff la Cheffe – im Momänt. Er kommt zur richtigen Zeit.

Grösser als geplant

Auf einmal geht alles sehr schnell. Ende 2009 prognostizieren die Pop-Experten, dass eine Rapperin namens Steff la Cheffe [1] aus dem Berner Breitenrain im Alleingang die Schweizer Hip-Hop-Welt erobern werde. Im Mai 2010 gibt die Bernerin ihr Debütalbum «Bittersüessi Pille» heraus, ihre Medienpräsenz wird flächendeckend. Und jetzt folgt mit «Steff la Cheffe – im Momänt» der erste Porträtfilm über die Rapperin, die im November auch vom Kanton Bern geehrt wird.

Ein Star ist geboren, auch wenn Steff la Cheffe im Film sagt: «Ich bin kein Popstar, ich bin immer noch das Meitschi vom Breitsch.» Sie kann beides sein, wie sich im Film eindrücklich zeigt. Die 23-Jährige ist sensibel und kämpferisch, offen, verletzlich und zugleich ein mit allen Wassern gewaschener Profi im kompetitiven Hip-Hop-Business – eine Amazone mit Babyface, die den Dirty Talk genauso beherrscht wie die Diplomatie, die nötig ist, wenn man in einer Betroffenheits- und Konsenssendung wie «Aeschbacher» sitzt.

Die vielen Facetten von Steff la Cheffe sind es, die den Berner Filmer Alain Guillebeau faszinieren – und das hatte auch filmische Konsequenzen: Was als kleines Projekt begann, wuchs sich zu einem immerhin 25-minütigen Dokumentarfilm aus – «die Zusammenarbeit war so ergiebig, dass das Projekt immer grösser wurde», sagt Guillebeau. Er hatte Steff la Cheffe bei einem Dokuprojekt über die Bleiberecht-Bewegung kennen gelernt. Die Idee zu einem gemeinsamen Film wurde Anfang Jahr geboren, gedreht wurde dann an 16 Tagen zwischen April und Juni. Die Finanzierung erfolgte ad hoc, für Gesuche blieb keine Zeit. Hätte die Crew nicht auf die Gage verzichtet, es gäbe den Film nicht.

Der Aufwand und das Risiko haben sich gelohnt: Der Film, sympathisch wie seine Heldin, ist eine agile, aus selbstverständlicher Nähe realisierte Momentaufnahme. Es geht um den Moment, da der Durchbruch gelungen ist und alles ein bisschen viel zu werden droht, um den Moment auch, da sich eine Lebensgeschichte zur Story verfestigt und ein Name zur Marke wird. Der Frauenbonus als Kehrseite der männerdominierten Hip-Hop-Szene ist ebenso ein Thema wie der biografische Hintergrund von Steff la Cheffe alias Stefanie Peter, die als Kind einer alleinerziehenden Mutter aufwuchs und weiss, was Sozialhilfe heisst. Diese Erfahrungen haben sie zur Einzelkämpferin mit einer gesunden Skepsis gegenüber dem Leben gemacht: «Fuck, ich muss es selber schaffen. Es ist niemand da, der mir etwas schenkt», sagt sie im Film. Da ist, als ständiger Schatten, aber auch diese existenzielle Angst: «Was wird, wenn ich es nicht schaffe?»

Immer ready

Zu Wort kommen im Film auch Produzent Dodo Jud und Andreas Vollenweider, der Harfenist, mit dem die Rapperin auf Tournee ging. Die filmische Klammer bildet die Plattentaufe im Dachstock der Reitschule, am Ende, nach dem Erfolg, kommt fast melancholische Stimmung auf.

Der Film bringt in einen Fluss, was bei Steff la Cheffe zusammengehört: Leben, Text, Musik, Rhythmus. Und anschaulich zeigt er, dass der Erfolg zwar wie eine Welle über sie hereinbrach, dass er aber das Produkt harter Arbeit ist. Seitdem sie als 13-Jährige zum ersten Mal den Beatboxer Rahzel hörte, wusste Steff la Cheffe, dass dies ihr Ding ist. «Ich bin seit zehn Jahren in diesem Film drin und wünschte mir nichts mehr, als dass ich in der Musik erfolgreich werde und dass ich mich in dieser Hip-Hop-Szene platzieren kann.» Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie alles gegeben. In ihren Worten: «Ich war immer ready mit meinem Shit.»

Dieser Text ist erschienen am 8.10.2010 in Der Bund [2].