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Die Antwoord: Gangster-Trash aus Kapstadt

Die Antwoord hat sich dank ihrer Schrägheit, Selbstironie und ihrem Verlierer-Image via Facebook zur Kultband gemausert – so geht das heute.

7.8 Millionen mal wurde der erfolgreichste Videoclip von der südafrikanischen Kunstpop-Band Die Antwoord [1] bisher auf Youtube aufgerufen und nicht wenige fragten sich: Funktioniert diese Band auch auf CD? Die lange erwartete Antwort klingt jetzt ernüchternd: So sehr die satirischen, grotesk überzeichneten Bilder dieser weissen Südafrikaner unsere Sehnerven fesselten, so ideenlos und überlang klingt ihr Debütalbum $0$ in unseren Ohren. Rapper Ninja und Girlie Yo-Landi Vi$$er rappen durchaus reizvoll in Afrikaans und in mit Akzent getränktem Englisch, sie tun das aber über langweilig produzierte House, Techno und Hip-Hop-Beats und über wenig inspirierte Song-Strukturen. Das Album basiert zur Hauptsache auf Remixes von bereits bekanntem Songmaterial. Das ironische Spiel mit den Klischees Schwarzer Rapper (mit Goldzähnen), mit der Bierseeligkeit der weissen südafrikanischen Arbeiterschicht und mit Sexismus und Exotismus kommt in der rein akustischen Umsetzung nie zum tragen. Der Pop von Die Antwoord braucht also das Video und die Performance. Die Gruppe plant derzeit einen Film mit dem Ex-M.I.A Produzenten Diplo. Dieser Streifen wird mit Sicherheit wieder für mehr medialen Wirbel sorgen.

Doch blicken wir zurück: Im Video «Zef Side» nimmt uns Die Antwoord mit auf eine Tour in ein klischiiertes, weisses Südafrika.

Im Video «Enter the Ninja» sehnt sich Sängerin Yo-Landi Vi$$er nach ihrem starken Samurai. Der aber sitzt im Gefängnis.

Kinky Mag [2] schreibt: «Zum einen wäre da Die Antwoord die ‹Zef-Rap-Rave Crew› aus Kapstadt, die seit einigen Wochen mit dem grössten Gangstertrash der Neuzeit und lächerlichem Look von sich reden macht. Der Rap-Rave der vier überzeichneten Charaktere MC Ninja, Yo-Landi Vi$$er, DJ Hi-Tek und dem Künstler Leon Bartha ist kaum ernst zu nehmen, dennoch sind die Videos dermassen professionell gemacht, dass man nicht weiss, ob man die Südafrikaner demnächst doch in den Charts und auf einem grossen Label antreffen wird. MC Ninjas African Slang-Rap weist denn auch einen gewissen Raphintergrund (ein Können) auf – von dem Bligg nur träumen kann – während Yo-Landi Vi$$ers computerveränderte Gesangskünste nicht von weit her kommen mögen. Auf jeden Fall ist diese absurde Typenkonstellation, die angeblich ihren Ursprung in einer Hip-Hop Crew namens Max Normal [3] hat, mit den tieffliegenden Texten irgendwie total amüsant und bietet beste Unterhaltung. Yeah, Zef Side.»

Kobus Holnaaier hat einen Short Movie zu Die Antwoord gemacht.

Die Vorgänger-Shows Max Normal findet man auch auf YouTube.

Video nicht mehr verfügbar.

Im Dokumentarfilm Mzansi von Bart van Dijck von 2009 sehen wir Rapper Ninja als eine andere Kunstfigur!

Zum Schluss ein paar Interviews: «South Afrika is fucking Fucked, but in a Cool Way. Its a fucking Rainbow Nation. But it is fucking funky.»